Welche Branchen Nutzen KI?

Unterschiedliche KI-Modelle werden bereits heute in einigen wichtigen Branchen verwendet. Wer überlegt, später im Gesundheitswesen, Finanzen oder auch der Industrie und Rechtswissenschaften zu arbeiten, sollte sich definitiv bewusst sein, dass KI hier bereits heute schon eine große Rolle spielt. In Zukunft dürfte sich dieser Einflussbereich nach Schätzungen selbstverständlich auch noch auf weitere Berufsfelder ausweiten, weshalb sich die meisten Schüler schon heute damit auseinandersetzen sollte.

Link: https://de.statista.com/infografik/32650/verteilung-des-globalen-ki-marktes-nach-branche/

Welche Fähigkeiten sollte man besitzen?

Für unterschiedliche Anwendungsbereiche gibt es natürlich unterschiedlich spezialisierte KI-Modelle und Services, die man zumindest im Ansatz unterscheiden können sollte. Einen Überblick der prominentesten LLMs (Large Language Model => Chatbots) findest du hier:

Link: https://www.oneusefulthing.org/p/using-ai-right-now-a-quick-guide

Bei einigen dieser Angebote kann man unterschiedlich komplexe Modelle entsprechend der benötigten Antwort auswählen. Diese Modelle unterscheiden sich für das betreibende Unternehmen in ihren Betriebskosten und sind daher auch, je stärke sie sind, meistens auch in geringerem Umfang kostenlos nutzbar. Daher sollte man immer das kleinstmögliche („schlechteste“) Modell wählen, welches die Aufgabe erfüllen kann. Googles Gemini und OpenAIs ChatGPT bewerten inzwischen selbst den Anforderungsgrad eines Prompts und wählen automatisch das (vermutlich) passende Modell aus.

Bleiben wir bei Gemini und ChatGPT. Diese bieten ebenfalls eine Art Research-Funktion an, die mit Quellen arbeitet und entsprechende Angaben in den Ausgaben macht, um fundierte Ergebnisse zu liefern. Sie suchen also selbst Quellen aus dem Internet zusammen und geben diese in ihrer Ausgabe direkt mit an. Halluzinationen können hier aber, wie bei allen anderen Modellen, trotzdem auftreten.

Die meisten Unternehmen, die diese Websites betreiben, bieten zusätzlich eine Option an, sich mit dem Modell durch Sprechen zu verständigen. In manchen Fällen wird nur eine Audio-Aufnahme gemacht, die einfach in Text übersetzt wird – in anderen Fällen (wie bei ChatGPT) ist die Verarbeitung fortgeschrittener, wodurch auch Emotionen und Stimmungen durch die KI-Stimme imitiert werden können. Letztere können bei ChatGPT zum Beispiel schon so menschlich klingen, dass man sie mit Personen verwechseln könnte.

Möchte man Bilder oder Videos mit der Hilfe von KI erstellen, gibt es auch dafür inzwischen sehr weit entwickelte Modelle, wie z.B.: ChatGPT und Gemini (können auch Bilder erstellen), sowie Sora (OpenAIs Video-KI) und Veo 3 (Googles Video-KI).

Egal mit welchen dieser Modelle man arbeiten möchte, sollte man sich an diese Grundsätze halten:

1) Der KI einen möglichst ausführlichen Kontext geben und dementsprechend konkrete Prompts setzen.

2) Wenn möglich auch eine eigene Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Lösen der Aufgabe mitgeben.

3) Wenn nötig auch direkt viele Fragen stellen.

4) Ab und zu einen neuen Chat öffnen (vor allem, wenn sich die KI „verrannt“ hat und immer wieder das selbe wiederholt). Vorherige Antworten in einem Chat werden nämlich meistens bei jeder weiteren Frage mitverarbeitet und können somit die Ausgaben ungewollt beeinflussen.

5) Wichtige Informationen immer selbst prüfen und jede Ausgabe kritisch mit eigener Recherche und logischem Denken hinterfragen. Diese Systeme funktionieren nicht auf magische Weise und haben schon oft bewiesen, dass sie halluzinieren können.

So sollte man mit KI in der Schule umgehen

Empfehlung für Schüler

Solange das Bildungssystem noch nicht auf dem aktuellen Stand der technischen Möglichkeiten angekommen ist, sollte man sich aus eigenem Interesse möglichst an diese Grundsätze halten:

KI sollte, wenn überhaupt, im Lernkontext nur verwendet werden, wenn vorher eigene Überlegungen angestellt wurden. Das bedeutet in der Praxis: Immer vor der Verwendung von KI die Aufgabe erst einmal selbst zu lösen und im Anschluss damit nachzubessern. Diese Empfehlung ergibt sich vor allem aus der Tatsache, dass diese Systeme regelmäßig beweisen, in kreativer Problemlösung zu versagen – sie geben viel mehr repetitiv Antworten die direkt auf den verwendeten Trainingsdaten basieren ohne selbst weiter zu „denken.“

Für Vorbereitung auf Klausuren kann man sie natürlich auch wesentlich freier verwenden, wenn man selbst merkt dadurch besser lernen zu können oder sich Konzepte erklären zu lassen, die im Unterricht nicht verstanden wurden. Die Thematiken, die im Unterricht behandelt werden sind in vielen Fällen inhaltlich nicht wirklich schwer/ komplex zu beantworten, weshalb LLMs dort nicht besonders auffällige Falschaussagen machen.

Allerdings sollte man sich bei der Methoden-Arbeit definitiv nicht darauf verlassen, da viele Lehrkräfte und das Niedersächsische Kultusministerium im Abitur sehr spezifische Vorstellungen haben, wie bestimmte Operatoren zu bearbeiten sind – die diese LLMs/ andere Modelle im Regelfall nicht kennen. Dafür sollte man sich also direkt an seinen Fachlehrer richten.

Empfehlung für Lehrkräfte

Das allgemeine Problem ist, dass Schüler in vielen Fällen meinen, die Aufgaben im Unterricht oder zuhause würden keinen Lerneffekt fördern, was rechtfertige, sie nicht selbst zu bearbeiten. Lehrkräfte gehen zusätzlich manchmal davon aus, Schüler erkennen zu können, die selbst keine Arbeit in die Bearbeitung von Aufgaben investiert haben. Beides ist sehr weit von der Realität entfernt.

Dieser Tatsache und den Konsequenzen, die sich daraus ergeben, muss man sich bewusst sein. Konventionelle Hausaufgaben und Prüfungen haben dadurch nämlich mindestens nicht mehr den gewollten Lerneffekt oder sind in manchen Fällen zu großen Teilen nutzlos geworden.

Daher sollte man als Lehrkraft bei dem Bearbeiten von Aufgaben zusammen mit den Schülern und KI arbeiten, sie also bei dem Gebrauch anweisen und überwachen. Wenn der Einsatz bei einer Aufgabe unterlassen werden soll, sollten diese Aufgaben entsprechend im Unterricht bearbeitet werden, da der eigene Einflussbereich bei Hausaufgaben offensichtlich begrenzt ist.

Außerdem ist es wichtig, möglichst aktuell auf dem Stand der Fähigkeiten neuer KI-Tools zu bleiben, um den Trugschluss zu vermeiden, dass eine Aufgabe mit ihnen nicht gelöst werden könne oder vielleicht auch um im eigenen Unterricht davon zu profitieren und mit der Hilfe von KI neue Aufgabenformate auszuprobieren.

Was wird Gesetzgebern empfohlen?

Die UNESCO hat einige Empfehlungen für Gesetzgeber zusammengefasst, an denen man sich selbst, solange es noch freiwillig ist, orientieren kann.

So ist es beispielsweise wichtig, dass alle Schüler im Einsatz dieser Systeme gleichberechtigt sind und dementsprechend denselben (oder keinen) Zugang dazu haben.

Außerdem sollte darauf geachtet werden, dass möglichst Tools verwendet werden, die politisch neutral und transparent sind und nicht zu schnell in der Implementierung im Unterricht vorangeschritten wird – also schrittweise daran gearbeitet wird, um schon währenddessen den Einfluss dieser Entwicklung zu beobachten und zu bewerten und überstürztes Handeln zu vermeiden. Diesen Punkt praktisch umzusetzen ist momentan leider alles andere als einfach – man sollte sich daher am besten vor allem bewusst sein, welchen Bias das Modell, welches man in dem Moment nutzt, hat, um die Ausgaben einordnen zu können.

Fazit

Im Allgemeinen sollte man diese neuen Möglichkeiten eher als Teil einer neuen Infrastruktur sehen und nicht darauf abzielen, alle Lehrkräfte oder andere Berufsgruppen zu ersetzen, sondern diese Tools als Unterstützung im Unterricht/ Beruf zu verwenden. Die Strategie einiger Unternehmen in den letzten Jahren, möglichst viele Mitarbeiter zu entlassen und durch KI zu ersetzen, hat sich in neuen Studien bereits als wenig effektiv und eher schädlich erwiesen. Als Tool zur Beschleunigung der menschlichen Mitarbeiter ist allerdings definitiv Potenzial zu erkennen, weshalb eine Auseinandersetzung damit zwingend notwendig ist und auch verpflichtend in die Kerncurricula (bspw. im Fach Informatik) aller Bundesländer eingebaut werden sollte.